15 Monate Alexander

Unser kleiner Wirbelwind ist nun tatsächlich schon 15 Monate alt. Ich weiß, ich zitiere hier tausende Eltern, aber – wie schnell vergeht denn bitte die Zeit? (Ich werde ab jetzt sein Alter auch nicht mehr korrigieren.)

Der kleine Mann hält uns ordentlich auf Trapp und hat eine Menge Blödsinn im Kopf. Also ganz wie es sich für einen kleinen Jungen gehört.

Ab November geht es in die Kita und so sehr ich das eigentlich herbeisehne, je näher der Tag rückt desto wehmütiger wird man doch. Was für ein großer Schritt zurück in den normalen Alltagswahnsinn und auch bald der Arbeit.

Alexander wird Freunde finden, erste Krisen alleine meistern ‚müssen‘ und wird fremdbetreut. Zum Glück haben wir zumindest einen Platz in unserer Wunsch-Kita bekommen.

Und ich werde nach 1,5 Jahren wieder arbeiten. Sicher fange ich gefühlt bei Null an und verbringe die erste Zeit beim Azubi. Soviel ist aus unserer Sicht passiert, da vergisst man den einen oder anderen Schritt auf Arbeit bestimmt. Dennoch freue ich mich wirklich sehr darauf, denn ich liebe meine Arbeit & ich brauche das Gefühl noch eine andere Aufgabe als Mama-sein zu haben. Wie immer gilt hier natürlich – jedem das seine! Wer Mama als Hauptjob hat, hat definitiv noch mehr zutun! Gerade ab 1,5-2 Jahren Kindesalter. Man kann ja nicht mal allein auf die Toilette…

Aber ich fühle mich wohl bei dem Gedanken das Alex selbstständiger wird, mehr gefördert wird und soziale Kontakte bekommt & pflegt. Ich denke hier bin zumindest ich langsam an meiner Grenze bei der alleinigen Betreuung zu Hause.

Alexander kann unverändert noch nicht allein laufen, sondern an Möbeln entlang. Er spricht sehr wenig und gibt eher Laute von sich. Nur das Wort Papa funktioniert ganz gut. Auch das Thema Essen wird nur mühselig besser. Aber dann denke ich mir wieder… Er bleibt für immer unser einziges Kind, was ist schlimm daran, dass er für alles ein wenig länger braucht? Schließlich erleben wir dies alles nur einmal und tatsächlich genieße ich jeden Tag davon, jedes Gebrüll und jede Sekunde die er Hilfe & Betreuung braucht.

Denn sicher fühlt es sich wie ein Schnipsen an und er ist ein wortkarger nerviger Teenager der seine Eltern spießig & doof findet und lieber allein oder mit Freunden unterwegs ist. Aber auch dann ist er für immer mein Baby ❤

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Heute, vor 1 Jahr

Heute vor 1 Jahr wurde Alexander nach 60 Tagen Klinik endlich entlassen. Heute erst bin ich 1 Jahr Mama.

Wie immer machen mich solche ‚Jahrestage‘ sentimental. Meine Güte, was bin ich für eine Heulsuse seit Alex geboren ist. Wahrscheinlich gehört das dazu. Immerhin berührt alles was ihn betrifft direkt das Herz. Da sitzt sogar meine Maske manchmal schief und die Fassade bröckelt. Aber als Mama ist das ok. Schließlich schlägt der größte Teil meines Herzens nun außerhalb weiter.

Zur Entlassung, am 31.08.17 um 16:30 Uhr, wog unser Krümli (Oh ja, der wird er für immer bleiben) stolze 2.670g und war 47cm groß. Ja, für uns war das groß damals, heute auf den Bildern erkenne ich ihn kaum wieder.

Jetzt wirbelt er durchs Haus, brabbelt, schießt sein Spielzeug durch die Gegend wie ein Wirbelwind und läuft bald Furchen um unseren Couchtisch herum. Unfassbar, was diese kleinen zarten zerbrechlichen Babys leisten & können. Man bezeichnet sie absolut zu rechtens als Kämpfer!

Ich staune, wie sicher jede ’normale‘ Mama auch, immer wieder über die riesen Entwicklung in so kurzer Zeit. Denn was ist schon 1 Jahr? Nie wieder lernen wir in so kurzer Zeit soviel.

Schaut ihn euch heute an – unser Wunder:

Ich hoffe jedes weitere Jahr lässt die Erinnerungen an seinen schweren Start ins Leben etwas verblassen und vielleicht auch meine Wunden heilen. Auch wenn währenddessen, in der Klinik, für immer etwas in mir gestorben ist.

Narben sind Zeugen der Zeit…

… Sie werden dich dein Leben lang begleiten und daran erinnern, wie weh sie dir getan haben. [Unbekannt]

Wer meinen Blog schon länger verfolgt weiß, dass ich zweimal operiert wurde. Die erste mittelmäßig schöne Narbe verpasste man mir in Windeseile beim Notkaiserschnitt um Alexander sicher zur Welt zu bringen. Und die Zweite, knapp 3 Wochen später, als sich alles entzündet hatte und sich dann ein Hämatom und Blutgerinnsel bildeten. Zuvor wurde eine Woche täglich gespült, um die OP eigentlich zu vermeiden. Ich gehe nicht weiter ins Detail, aber man ‚wühlte‘ mit einem langen Schlauch in mir rum. Da habe ich auch irgendwann meinen Stolz & meine Würde verloren.

Nun denn, es geht nicht um damals, sondern um heute. Tatsächlich fragen viele nach meiner Narbe, wie es sich anfühlt, wie es verheilt ist usw.

Da ich da ganz offen bin, kann ich sie sogar zeigen:

Die obere Narbe gehört zum Kaiserschnitt, die untere nach links (im Bild rechts) verlaufende zur zweiten OP aufgrund des Hämatoms. Und irgendwie gehen sie auch ein wenig ineinander über. Das zweite vernähen bzw. zusammentackern war schwierig, da eigentlich zu wenig Haut da war. Aber zum Glück hat man es geschafft. Sonst hätte es noch eine dritte OP geben müssen.

Die linke Seite ist unverändert großflächig taub, das Ende pikst öfter. Dort war das golfballgroße Hämatom. Wahrscheinlich bleibt das so, das wird die Zukunft zeigen. Im Grunde habe ich mich daran gewöhnt. Schließlich habe ich dafür 1. meinen Sohn und 2. mein Leben zurück.

Und wie ihr auch schon leicht erkennen könnt habe ich so einige Dehnungsstreifen links & auch rechts. Aber hier weiß ich das sie mit der Zeit verblassen werden. Und bis dahin sind sie einfach Alex‘ erste Zeichnung.

1 Jahr Spezialmama

Gut 1 Jahr bin ich nun schon Mama. Zumindest offiziell. Für mich beginnt das gefühlt etwas später, da wir die ersten 60 Tage ja in der Klinik verbracht haben und das in keinster Weise mit einem Familienalltag vergleichbar ist. Alexander war auch zu 90% der Zeit sediert, um all die Eingriffe zu ertragen.

Wenn man so durch die ‚alten‘ Fotos von damals scrollt, sieht man erstmal welch riesen Entwicklung stattgefunden hat.

Manche Momente zogen sich wie Kaugummi und doch war es nun wie ein Wimpernschlag. Manche Stunden waren die längsten meines Lebens und doch haben wir sie alle überlebt. Überlebt ist überhaupt das beste Wort für diese Zeit.

1 Jahr Mama eines Frühchens mit Hirnblutung und Hydrocephalus (=Wasserköpfchen). Eines Kindes welches eventuell schwerbehindert ist und nie alleine leben kann. Da hat er aber schön allen den Mittelfinger gezeigt.

Alexander steht seit gut 2 Wochen und beginnt erste Schritte an Möbeln zu machen. Er brabbelt und lacht und krabbelt einem regelrecht davon. Er befindet sind auf seinen korrigierten Stand von ca. 10 Monaten und das steht ihm ja auch mehr als zu.

1 Jahr voll von jeder Art Emotion die ich mir vorstellen kann oder von der ich maximal gehört habe. Soviel Angst, Wut, Trauer, Schmerz… Aber vor allem Glück. Man sieht sein Kind an und fühlt ein Glück und eine Liebe, die man nicht kannte. Ganz egal wann & wie es geboren wurde. Das macht einen wenigstens ein wenig zu einer normalen Mama.

Und doch bin ich eben keine… Ich bin eine Spezialmama. Und so ganz langsam kann ich damit auch leben…mal mehr, mal weniger.

Foto – Heute vor 1 Jahr. Ich hatte gerade meine 2. Operation überstanden und kehrte unter die Lebenden zurück. Und doch merke ich bei diesem Anblick jeden Millimeter meiner besonderen Narbe und es pickst, im Herzen & am Bauch.

1 Jahr DU – Brief an meinen Sohn Alexander

Mein liebster Schatz,

ich bin es, deine Mama.

Ich liebe dich, weißt du das eigentlich?

Ich habe dich von der ersten Sekunde an geliebt.

Auch wenn es erstmal ein Schock war, nach dem positiven Schwangerschaftstest. Schon da habe ich dich mit meinem ganzen Herzen geliebt. Wir haben dich geliebt.

Und dann, dann habe ich dich leider nur knapp 7 Monate direkt unter meinem Herzen getragen.

Zu wissen, dass du in meinem Bauch heranwächst, von mir abhängig bist und mich brauchst – das war und ist ein schönes Gefühl. Ich habe es geliebt, deine Tritte zu spüren, zu beobachten wie mein Bauch sich bewegt, wenn du dich rührst.

Deinen Herzschlag zu hören und zu wissen, dass ich dich irgendwann hoffentlich in meinen Armen halten kann.

Und nun bist du schon ein Jahr hier bei uns. Obwohl deine Geburt Horror war für uns alle, besonders für dich – unser Kämpfer.

Es ist noch kein Tag vergangen, an dem ich dich nicht voller Liebe und Dankbarkeit angesehen habe. Ich liebe dich, weil du so wundervoll bist. Weil du so ein schöner und fröhlicher, kleiner, schlauer Kerl bist.

Ich liebe es, dass du wirklich jeden Menschen, dem wir begegnen, anlächelst.

Du nimmst jeden Menschen, wie er ist. Jeder hat deine volle Aufmerksamkeit und jeder hat es verdient, von dir angelächelt zu werden. Du hast ein ganz großes und liebevolles Herz, dass weiß ich. Das spüre ich.

Ich liebe es, wie sehr du dich freust, wenn dein Papa zur Tür hereinkommt. Du strahlst über dein ganzes Gesicht und bist total aufgeregt, willst sofort von ihm in den Arm genommen werden und robbst & krabbelst ihm überall hinterher.

Ich liebe es, wie sehr du dich darüber freust, wenn du etwas Neues gelernt hast, und man dich dafür lobt. Du bist dann immer mächtig stolz, und das ist so schön.

Ich liebe die Geräusche, die du machst. Manchmal knurrst du wie ein Löwe oder lachst dich schlapp wie ein kleiner Esel, wenn man es dir vor- oder nachmacht. Ein anderes Mal quietscht du einfach nur rum, vor allem dann, wenn du bestimmte Spielzeuge oder Papa & mich siehst.

Ich liebe dich, weil du mich so oft zum Lachen bringst. Wenn du wieder mal wie ein kleiner Kriegssoldat durch die Wohnung robbst und dir das Nächstbeste

in den Mund steckst. Wenn du mir dein Tuch entgegen hälst, weil du möchtest, dass wir „Wo ist die Mama?“ spielen. Wenn du dein Gesicht verziehst, wenn du etwas isst. Essen ist noch nicht deine Welt.

Ich liebe dich, weil du mich an meine Grenzen und manchmal sogar darüber hinaus bringst. Wenn du meckerst und meckerst und ich deine Laune durch nichts in der Welt ändern kann.

Ja, da bin ich manchmal am Ende. Und trotzdem ist am Ende der Geduld noch so viel Liebe, dass ich dir gar nicht lange böse sein kann.

Ich liebe es, wenn du mit deinen Augen klimperst, wenn du deine Zunge rausstreckst und lustige Geräusche damit machst. Ich liebe es, wenn du weinst und sofort ruhiger wirst, wenn ich dich hochnehme und sanft über deinen Kopf streichle.

Ich liebe deine weichen Haare und deine zarten Finger. Deine süße kleine Nase und deine besonderen Zehen. Ich liebe dich über alles und ich bin mehr als dankbar, deine Mama zu sein.

Deine Mama zu sein ist das Schönste auf der Welt. Ach, mein kleines Motzki– du bist einfach toll. Und hey, falls du es noch nicht weißt – ich liebe dich.

Tausend Küsse,

deine Mama

Unser erster Familienurlaub

Seit ein paar Tagen sind wir von unseren ersten gemeinsamen Familienurlaub zurück. Eigentlich wären wir noch dort, aber wir haben freiwillig abgebrochen.

Alexanders Laune wurde je näher wir dem Urlaubsziel kamen immer schlechter und blieb einfach so mies, bis wir freiwillig nach Hause gefahren sind.

Dabei klang alles so gut. Ein kleines Häuschen an der mecklenburgischen Seenplatte, nah am See mit viel Grün und schlechtem Handyempfang. Und unser Familienhund Jim war natürlich auch dabei.

Allerdings war er auch der einzige, der ein wenig Ruhe & Erholung fand.

Mittelmäßiges Wetter und eine Mückenplage kamen als i-Tüpfelchen dazu. Nur maximales Entertainment half ein wenig. Wir waren regelrecht gezwungen täglich viel zu unternehmen oder spazieren zu gehen bis die Füße qualmten. Manchmal half nicht mal das.

Gemeinsam frühstücken oder gar Essen gehen? Fehlanzeige! Mindestens einer musste immer das kleine Grumpy-Kid bespaßen.

Nach ein paar Tagen zu Hause denke ich, er war vielleicht einfach noch nicht bereit für soviel Veränderungen und dem Ortswechsel. Zumal sich zusätzlich gerade der 3. Zahn ankündigt. Und wir sind auch froh nun tatsächlich mehr Ruhe zu haben als im Urlaub an sich.

Auf das es im nächsten Jahr besser wird, für uns alle 4!

T -29

In 29 Tagen wird Alexander tatsächlich 1 Jahr alt. Und je näher der Tag rückt, desto verrückter werde ich.

Mir erging es ab Mitte Juni 2017 wirklich schlecht. Die Schwangerschaft war eine reine Qual, obwohl ich zu dieser Zeit gerade mal in der 29./30. Schwangerschaftswoche war. Aufgedunsen von den vielen Wassereinlagerungen und durch die kräftezehrende Unterversorgung von unserem Baby fühlte ich mich wie eine 41+7-Schwangere mit Zwillingen oder kurzum wie ein Wal auf dem Trockenen.

Die Geburtstagsparty-Planung ist schon in vollem Gang. Ich will eine absolut perfekte Feier und die Messlatte liegt weit oben. Natürlich ist es nur ein 2-stündiges Kaffeetrinken mit der engen Familie und ein paar Freunden, aber wenn seine Geburt schon Horror war muss dieser Tag wenigstens super werden. Und sind wir mal ehrlich, mich lenkt das gut ab.

Da Alex an einem Montag Geburtstag hat feiern wir erst den darauf folgenden Samstag. Ich kann mich also fast den ganzen Tag in Selbstmitleid und Trauer suhlen. Klingt sehr cholerisch, ich weiß, aber so langsam finde ich eine Frühchenmama (und auch -papa) hat jedes Recht diese Zeit auch zu betrauern. Zumindest die ersten Jahre, wenn das Erlebnis immernoch so frisch erscheint als war es gestern… Gestern das man nicht nur das eigene, sondern fast das Leben seines Babys verloren hätte.

Ein klarer Fall von „die Zeit heilt alle Wunden“. Ich denke es wird für immer eine pochende, pickende Narbe bleiben (für mich sogar im wahrsten Sinne), aber Alexander ist hier die größte & beste Motivation all die schönen Zeiten mit ihm nun zu genießen. Er hat uns zu einer Familie gemacht, die so schnell nichts aus der Bahn wirft.