Ein ganzes halbes Jahr

Wow, wir haben 2018. Wir haben 2017 überlebt. Das Jahr ist Geschichte. Neues Jahr, neues Glück ist die Devise.

Alexander ist diesen Monat unfassbare 6 Monate alt geworden. Er misst 62/63 cm und wiegt 6.190 gr. Damit hat er seit seiner Geburt stolze 25 cm und 5 kg (!) zugelegt. Und wisst ihr was er jetzt ist? Ein Baby, ein ganz normales Baby, sogar mit etwas Speckarmen – mein persönlicher Triumph. Er ist kein zerbrechliches kleines Püppchen in einem Kasten mehr, er kann & darf berührt werden, wo das doch lange Zeit zuviel Stress für ihn war. Würde er keine Medikamente nehmen, würde man wohl kaum noch an die Anfangszeit denken. Wobei sie immer bei mir ist, spätestens nachts im Traum klopft sie wieder an. Aber warum sollte man sie auch vergessen? Sie hat uns zu dem gemacht, der wir jetzt sind. Und diese Eltern finde ich ziemlich ok (Eigenlob, sorry).

Mittlerweile würde ich behaupten, sind wir ganz gut im Elterndasein angekommen. Es gibt immer gute & schlechte Tage, so wie bei allen anderen auch. Alexander schläft recht gut seit wir ihn in sein Zimmer ‚ausquartiert‘ haben und wir kommen alle zu etwas mehr Schlaf & Ruhe. Besonders mir tut das gut, wo mir doch noch ca. 10 Monate Schlaf aus dem vergangenen Jahr fehlen…

Alexander kann äußerst gut und auch schon recht bewusst greifen, strampelt wie ein Wilder und rollt sich zumindest schonmal auf die Seite. Dank Physiotherapie, die wir in diesem Jahr begonnen haben, merkt man schon nach wenigen Wochen kleine Erfolge. Und jeder Erfolg ist fantastisch. Er gibt ihm und uns mehr Lebensqualität.

Mamasein ist der härteste Job meines Lebens… Und gleichzeitig der Beste. Alexander ist meine Lebensaufgabe, mein Glück, mein Sinn. Er lacht soviel und doch kommt mir immernoch bei fast jedem Grinser ein Tränchen. Und nein, die Sensibelchenphase ist immernoch nicht vorbei (Fortsetzung folgt).

Und wir als Paar haben uns sehr verändert und doch sind wir noch die Alten. Wir mögen immernoch die selben Dinge, wissen sie aber mehr zu schätzen. Ich bekomme Haushalt, Kochen, Kind & Hund besser in den Griff als jemals zuvor. Alles wegen Alexander. Denn ich möchte eine gute Mama, Freundin und Frauchen sein und meine Messlatte ist eben hoch.

Vorsätze gibt es auch für 2018… Alexander soll sich drehen & bald sitzen können, anfangen zu essen und vielleicht gegen Ende des Jahres sowas wie Krabbeln. Aber alles ohne Stress. Denn wenn ich eine Sache bisher gelernt habe – er gibt das Tempo vor und das ist genau richtig so.

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2017 – Ich bin bereit, dich gehen zu lassen

Ich bin bereit, dich gehen zu lassen. Ich bin bereit für ein neues Kapitel. Ich bin bereit für die Dinge, auf die du dich vorbereitet hast und für die Zukunft, die du angefangen hast, für mich zu planen. Ich bin bereit, die Lektionen zu nehmen, die du mir beigebracht hast, und sie im nächsten Jahr und in den kommenden Jahren anzuwenden. Ich bin bereit, die schmerzhaften Teile von dir zu vergessen und neu anzufangen. Ich bin bereit, deine Misserfolge, deine Enttäuschung und deine Fehler gehen zu lassen.
Ich vergebe dir und lasse dich gehen.
Ich vergebe dir, dass du nicht das Jahr warst, das ich erwartet habe. Ich vergebe dir, dass du zu hart zu mir warst. Ich vergebe dir, dass du mir Gutes weggenommen und mir ein paar Mal das Herz gebrochen hast. Ich vergebe dir die schmerzhaften Tage und Nächte. Ich vergebe dir all die Tränen, die du verursacht hast, und all die Kämpfe, die du mir geschickt hast.
Du hast mich zum Kämpfer gemacht. Du hast mir beigebracht, wie man für sich selbst einsteht. Du hast mir meinen Selbstwert gezeigt. Du hast mir beigebracht, niemanden mein Leben ruinieren zu lassen, egal wie sehr er es auch versucht.
Ich möchte mich auch bei dir bedanken. Danke für all die Segnungen, die du mir geschenkt hast. Danke für das Lachen und die Liebe. Danke für die neuen Leute, die du mir vorgestellt hast. Vielen Dank für die unvergesslichen Erinnerungen. Danke für die Tage, die mich dazu gebracht haben, dein Chaos zu überleben, und für die Menschen, die mich geheilt haben, als ich zerbrochen war. Vielen Dank für die Beantwortung einiger wirklich wichtiger Fragen, die ich hatte. Danke, dass du mir viele Wahrheiten offenbart hast, die ich wissen musste.
2017 – Ich bin bereit, dich gehen zu lassen. Ich habe keine Lust mehr, deine Geschichte zu ändern.
Ich habe keine Lust mehr, zurückzublicken und darüber nachzudenken, was ich hätte tun sollen oder was ich hätte sagen sollen. Ich habe keine Lust mehr, dir so viel Platz zu lassen. Ich bin fertig mit all den Dingen, die ich nicht getan habe, und all den Träumen, die du mich nicht hast leben lassen. Ich habe keine Lust mehr, alles zu verwirklichen, bevor du endest.
Vielleicht bist du nicht das richtige Jahr für mich. Vielleicht habe ich mich in dir getäuscht. Vielleicht wollte ich mehr von dir, aber jetzt weiß ich, dass du nicht das Richtige bist. Du bist nicht mein Jahr. Du bist nicht die Ausnahme.
2018, ich weiß nicht, was mich erwartet und ich weiß nicht viel über dich, aber ich bin bereit. 2017 hat mich nicht gebrochen. Ich heiße dich mit offenen Armen und offenem Herzen willkommen. 2017 hat mich ausgelaugt, aber ich bin immer noch in der Lage, dir alles zu geben.

1. Frühgeborenen-Nachuntersuchung

Eine Woche ist die sogenannte 1. Nachuntersuchung nun her. Hierbei kontrolliert man Entwicklung, Motorik und allgemeine Daten wie Größe, Gewicht und Impfstatus.

Eigentlich haben wir uns ein wenig von dieser Untersuchung versprochen, aber sie war ein Reinfall.

Alles begann damit, dass wir 8:00 Uhr auf Station sein sollten. Da vorher die stationäre Aufnahme nötig ist waren wir also 7:30 Uhr in der Klinik.

Wie immer mussten wir erstmal warten… Und warten… Und warten. Gut 45 Minuten später wurde Alexander endlich gewogen und gemessen, 60 cm und 5.570g. Die einzige erfreuliche Nachricht an diesem Tag.

Danach sollten wir erneut Platz nehmen und warten. Im Hintergrund hörten wir die Schwestern schon tuscheln, dass kein Platz frei wäre, weder auf der eigentlichen Neonatologie-Station, wo wir den Termin (seit 3 Monaten) hatten, noch auf der Alternative, die Kinder-Tagesklinik.

Erneut vergingen gut 30 Minuten. Geistesgegenwärtig hatte ich für Alexander schon mal eine Milchflasche mit, die dank Thermotasche eine akzeptable Temperatur hatte, damit er wenigstens sein Frühstück bekam.

Nun sollten wir doch auf die altbekannte Neo. Und was taten wir da? Genau, warten. Zwischen noch sehr bekannten Gepiepse und Babygeschrei…

Etwa gegen 10:30 Uhr durften wir dann endlich in ein Zimmer. Dort wurden wir dann aber auch direkt von 4 Ärzten überrannt, alles musste schnell gehen, Fragen beantworten, Baby ausziehen… Und schon „stürzten“ sie sich alle gleichzeitig auf ihn. Entgegen das Frühchen das eigentlich nicht so haben sollen zogen und zerrten sie alle an ihn rum und redeten ihr Fachchinesisch.

Anschließend kam ein Physiotherapeut, der mit Alexander’s Entwicklung sehr unzufrieden war. Statt uns zu sagen was wir anders bzw. besser machen können, sagte er er fülle das Schreiben aus und war weg.

Wir warteten im Anschluss natürlich wieder, eine Blutentnahme sollte noch erfolgen. Alexander war mittlerweile verständlicher Weise nicht mehr so gut gelaunt. Und wir hatten außer einen Snack aus dem Automaten und einen Kaffee auch noch nichts zu uns genommen.

Auch hier wieder, geistesgegenwärtig, hatte ich unserem Krümli wenigstens seine 2 Lieblingsspielzeuge mitgenommen und so konnten wir ihn zumindest ein wenig bei Laune halten.

Man sagte uns dann, dass der anschließende Schlaflabor-Termin aufgrund Personalmangels ausfiel. Danach war unsere Laune natürlich ganz unten. Schließlich hatte man für diesen gefühlt den halben Hausstand mitgenommen.

Zur Blutabnahme schickte man uns vorsorglich raus, da diese am Kopf erfolgte und Gott sei Dank nahmen wir das ‚Angebot‘ auch an. Niemals hätte ich das ansehen können.

Anschließend konnten wir einfach gehen, mit dem Gefühl schlechte Eltern zu sein, die wohl alles falsch machen… Ein Brief bekommt die Hausärztin irgendwann und ansonsten sähe man sich ja dann im März 2018 wieder. Na bis dahin & f**** euch ins Knie. Danke für nichts!

So, genug ausgekotzt… Ich Rabenmutter begebe mich nun wieder zu meinem kleinen Sonnenschein, der für uns immer die Definition von Perfektion sein wird.

Seine Meinung zur Untersuchung:

Ausquartiert

Heute geht es um’s Thema schlafen… Alexander will jede Nacht unverändert 2-3 Flaschen. Der ‚eingeprügelte‘ Klinikrhythmus bleibt da bestehen. Wir haben uns (müde) daran gewöhnt & viel wichtiger ist es ja, dass er bekommt was er braucht.

Ansonsten haben wir aber ein Kind, das gut einschläft und selten lange Theater macht beim ins Bett bringen.

Bisher schlief er in einem kleinen Bettchen neben mir in unserem Schlafzimmer. Am Anfang war uns das natürlich auch wichtig. Wir hatten unser Baby endlich nah bei uns und konnten uns gefühlt minütlich davon überzeugen das er noch atmet. Und glaubt mir, Babys können unfassbar leise atmen.

Aber im Laufe der Zeit merkten wir, dass Alexander immer wach wurde, wenn wir ins Bett kamen. Auch konnten wir kaum ein Wort miteinander reden ohne das er direkt muckelte. Daher dachte ich vor 1 Woche – ab mit dem kleinen Mann in sein eigenes Zimmer und sein eigenes richtiges Bett (Wozu hat er das schließlich?).

Gesagt getan und siehe da, es funktioniert hervorragend. Wenn er wach wird höre ich das über’s Babyphone und gehe zu ihm rüber. Ansonsten hat jeder seine Privatsphäre. Vor allem uns als Paar tut das gut, weil es sonst keinen Ort in der Wohnung gab, an dem wir mal allein waren. Schließlich haben wir auch noch einen Hund, aber der schläft schon immer brav allein im Wohnzimmer 😉

Nun gehöre ich also zu den Rabenmüttern, die ihr Baby ganz schnell wieder ausquartiert haben. Aber hey, wir alle schlafen jetzt viel besser, ruhiger und haben sogar ein wenig Lebensqualität zurück. Also eine gute Entscheidung…

Mama = Superheldin

Wenn ich abends auf dem Sofa sitze und überlege, was ich eigentlich nicht geschafft habe, dann ist das an manchen Tagen recht viel. Denke ich aber dann darüber nach, was ich wiederum alles geschafft habe, dann sollte ich stolz auf mich sein.

Nichts und niemand bereitet einen darauf vor, wie es ist Mama zu werden und was da alles auf einen zukommt. Man wird in eine neue Rolle geschmissen und selbst die Zeit der Schwangerschaft kann einem nicht zeigen, wie es wohl hinterher tatsächlich ist.

Ja, ich schaffe an manchen Tagen nicht alles von meiner to-do-Liste, aber muss ich das auch? Kürzlich fiel mir erst wieder auf, wie viele selbstverständliche Handgriffe man nebenbei macht. Hier wird noch schnell mit dem Baby auf dem Arm die Spülmaschine eingeräumt, da wird noch eben die Wäsche sortiert oder angemacht. Nebenbei wird im vorbeigehen Vieles wieder an seinen Ursprungsplatz gebracht. Das ist nichts wofür man gelobt werden muss, aber es ist eben nicht „nichts“, sondern eine ganze Menge.

All das mache ich verdammt gerne. Aber niemand sagt dir vorher, wie viele Jobs du plötzlich parallel haben wirst, wie viele Arme dir plötzlich wachsen und wie viele Nerven dich das manchmal kosten wird.

Und genau das sollte ich mir vor Augen halten, wenn ich abends da sitze, Alexander schläft und die Wäsche noch immer nicht zusammengelegt ist. Denn das ist ok.

Egal wie viele Kinder ihr habt: Klopft euch einfach mal auf die Schulter und seid nicht so streng mit euch. Ihr schafft eine ganze Menge. Allen voran liebt ihr eure Kinder und das ist der wichtigste Part jeden Tag, der immer ganz oben stehen sollte!

Liebe auf den ersten Blick? Nein! 

Früher, als ich noch nicht Mutter war, habe ich oft Leute sagen hören, wie sehr sie ihre Kinder lieben und dass sie alles für diese tun würden. Ich fand diese Aussage schön und nahm das so hin, konnte mir jedoch nicht wirklich etwas darunter vorstellen. Das Ausmaß dieser Liebe konnte ich mir einfach nicht vorstellen. Und nun bin ich selbst Mutter und sage das selbe wie andere Eltern…

Ich liebe meinen Sohn unendlich, er ist mein größtes Glück und ich würde alles für ihn geben, damit es ihm gut geht.

Doch ich fühlte nicht immer so.

Da war plötzlich dieser Mini-Mensch, so hilflos und doch so süß. Um den sich nun alles drehte. Ich kümmere mich 24 Stunden um unseren Sohn und staune und lächel. Auf einmal war ich ein ganz neuer Mensch. Eine Mutter. Mir macht es nichts aus, in der Nacht x-Male aufzustehen, zu füttern und zu beruhigen. Ich mache es gern.

Und trotzdem muss ich gestehen, dass es lange gedauert hat, bis ich diesen neuen kleinen Menschen richtig in mein Herz schließen konnte.

Erst nach und nach wurden meine Gefühle stärker. Erst nach ein paar Wochen, ja Monaten, war es von meiner Seite aus wirklich Liebe, die ich empfand. Ich liebte dieses Kind, mein Kind. Und dieses Gefühl wird seitdem von Tag zu Tag immer stärker. Heute wäre ein Leben ohne den kleinen Mann einfach undenkbar und einfach nicht mehr vorstellbar.

Das alles hat seine Zeit gebraucht und ich glaube, dass es einigen anderen Müttern genauso geht. Man spricht nur nicht gern darüber, weil man eine gute Mutter sein will.

Schließlich erwartet das die ganze Welt. Und trotzdem bin ich der Meinung, dass man einen fremden Menschen – und ein neugeborenes Baby fällt nun einmal in diese Kategorie – nicht vom ersten Blick an lieben kann.

Die Liebe kommt langsam und muss wachsen. Zumindest war es bei mir so. Und nun ist die Mutterliebe das stärkste Gefühl in mir.

Wie mich mein Kind zum Sensibelchen machte

Kann es sein, dass wir Mamas noch etwas näher am Wasser gebaut sind, als unsere „alten“ Ichs vor der Geburt unserer Kinder? Relativ emotional war ich schon immer – mein Temperament lässt mich von Zeit zu Zeit aufbrausend und melancholisch sein. Doch ich weiß auch, dass ich früher nicht so ein Sensibelchen war.

Inzwischen fließen bei jedem noch so seichtem Drama die Tränen in Strömen, bei tiefgründigen Filmen bin ich sogar stundenlang in einer Art traumatisierten Zustand der unangenehm intensiven Empathie. Unsere „Probleme“ erscheinen so unbedeutend im Angesichts des Leids, das viele andere Menschen tagtäglich erleben müssen.

Ich entdecke mein neues Ich als „Sensibelchen“ auch jedes Mal, wenn ich mir einen Horrorfilm oder Psychothriller anschaue. Ich liebe das Grusel-Genre mit all seinen furchtbaren Schockmomenten, die gleichzeitig so wunderbar unterhalten. Christoph und ich sind riesen Horror-Fans! Doch auch hier bemerke ich eine grundlegende Veränderung meiner antrainierten Abhärtung gegenüber filmischem Mord und Totschlag. Ich ertappe mich dabei, wie ich immer tiefer in die Couch rutsche bei Gruselfilmen und kaum noch hinschauen kann bei Gewaltszenen. Meine Gedanken führen mich immer wieder zu meinem kleinen Sohn, meine Gefühlswelt ist durch die Muttergefühle um einiges vielfältiger und vor allem empfindlicher geworden.

Ganz schlimm erwischt es mich, wenn in Filmen eine Geburt gezeigt wird. Das ist echtes Hardcore-Kino für mich als Mama. Da kommen die eigenen Erfahrungen wieder hoch.

Legen wir die neu gewonnene Sensibilität jemals wieder ab? Liegt es am zarten Alter von Alexander oder seiner Geschichte, dass wir so „Weicheier“ geworden sind? Warten wir einfach einmal ab…