Es ist nicht alles Gold, was glänzt

•Bekommt er schon Brei? Schläft er schon durch? Kann er brabbeln? Kann er sitzen? Will er krabbeln? – Ja was kann dein Kind eigentlich schon?•

Ob ihr es glaubt oder nicht, solche Fragen bekomme ich beinahe täglich. Und – alle Kinder ‚hören‘ jetzt weg – es kotzt mich an!

Alexander ist heute 7 Monate alt, korrigiert knapp 5. Und nein, er kann auch nicht ganz das alles, was ein 5 Monate altes Baby können sollte. Warum eigentlich sollte? Warum gibt es Tabellen mit Wochen, in denen steht wann ein Baby was können SOLL?!

Unser Baby kann vieles in den Anfängen, aber das zu erklären wird man schnell leid und müde. Man erhält Belehrungen, Vorträge und Anweisungen (!) wie man es besser macht. Wie fast jede andere Mama der Welt weiß ich am besten was meinen Kind gut tut und vor allem Dingen was nicht. Und warum mir das Mütter oder Väter von Normalgeborenen erzählen weiß ich auch nicht.

Um es kurz & schmerzlos zu sagen – Alexander ist in der Hinsicht eben nicht normal…

Und dann höre ich wieder was für eine coole, entspannte Super-Mom ich doch sei, dass ich so locker mit dem Thema umgehe und darüber stehe. Ihr habt keine Ahnung wie oft ich heulend auf dem Fußboden zusammenbreche. Aber es nützt keinem was, denn für Alexander werde ich trotzdem alles geben. Und natürlich mache ich ihm keinen Stress, er macht das schon. Er hat schon ganz andere Dinge in seinem kurzen Leben geschafft.

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Und für alle die gerne noch mehr lesen wollen, diese doch irgendwie schöne Geschichte über Frühchenmamas, liebevoll auch „Spezialmamas“ genannt…

Die Spezialmutter

Die meisten Frauen werden durch Zufall Mutter, manche freiwillig, einige unter gesellschaftlichen Druck und ein paar aus reiner Gewohnheit.

Dieses Jahr werden 60 000 Mütter frühgeborener Kinder. Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, nach welchen Gesichtspunkten die Mütter frühgeborener Kinder ausgewählt werden?

Ich stelle mir Gott vor, wie er über die Erde schwebt und sich die Werkzeuge der Arterhaltung mit größter Sorgfalt und Überlegung aussucht. Er beobachtet genau und diktiert dann seinen Engeln Anweisungen ins riesige Hauptbuch:“Schneider, Ulrike: Sohn. Schutzheiliger: Matthias. Forst, Monika: Tochter. Schutzheilige: Cäcilie. Müller, Cornelia: Zwillinge. Schutzheiliger ? Gebt ihr Gerard, der ist es gewohnt, dass geflucht wird.“

Schließlich nennt Gott einem Engel einen Namen und sagt lächelnd: „Dieser Frau gebe ich ein frühgeborenes Kind.“

Der Engel wird neugierig: „Warum gerade ihr, o Herr? Sie ist doch so glücklich.“

„Eben deswegen“, sagt Gott lächelnd. „Kann ich einem frühgeborenem Kind eine Mutter geben, die das Lachen nicht kennt? Das wäre grausam.“

„Aber hat sie denn die nötige Geduld?“ , fragt der Engel.

„Ich will nicht, dass sie zuviel Geduld hat, sonst ertrinkt sie in einem Meer von Selbstmitleid und Verzweiflung. Wenn der anfängliche Schock und Zorn erst abgeklungen sind, wird sie es tadellos schaffen. Ich habe sie heute beobachtet. Sie hat den Sinn für Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, die bei Müttern so selten und doch so nötig sind. Verstehst Du : Das Kind, das ich ihr schenken werde, wird vielleicht versuchen, in seiner eigenen Welt zu leben. Und sie muss es zwingen, in der ihren zu leben, das wird nicht leicht werden.“

„Aber, Herr, soviel ich weiß, glaubt sie nicht einmal an dich.“

Gott lächelt. „Das macht nichts. Das bringe ich schon in Ordnung.

Nein, sie ist hervorragend geeignet. Sie hat außerdem auch genügend Egoismus.“

Der Engel ringt nach Luft. „Egoismus? Ist das denn eine gute Eigenschaft?“

Gott nickt. „Wenn sie sich nicht gelegentlich von dem Kind trennen kann, wird sie das alles nicht überstehen.“

Diese Frau ist es, die ich mit einem nicht ganz vollkommenen Kind beschenken werde. Sie weiß es zwar noch nicht, aber sie ist zu beneiden.

Nie wird sie ein gesprochenes Wort als etwas Selbstverständliches hinnehmen, nie einen Schritt als etwas Alltägliches ansehen. Wenn ihr Kind zum ersten Mal Mama sagt, wird ihr klar sein, dass sie ein Wunder erlebt.

Es ist möglich, dass ihr Kind nie sehen können wird. Wenn sie ihm einen Baum, einen Sonnenuntergang schildert, wird sie ihn so sehen, wie nur wenige Menschen meine Schöpfung jemals sehen.

Ich werde ihr erlauben, alles deutlich zu erkennen, was auch ich erkenne – Unwissenheit, Grausamkeit, Vorurteile – und ich werde ihr erlauben, sich darüber zu erheben.

Sie wird niemals alleine sein. Ich werde bei ihr sein, jeden Tag ihres Lebens, jede einzelne Minute, weil sie meine Arbeit ebenso sicher tut, als sei sie hier neben mir.“

„Und was bekommt sie für einen Schutzheiligen?“, fragt der Engel mit gezückter Feder.

Da lächelt Gott. „Ein Blick in den Spiegel wird genügen.“

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2 Antworten auf „Es ist nicht alles Gold, was glänzt

  1. Ich verfolge Ihren Blog wirklich mit großen Interesse, sowie den Werdegang von Alexander. Er ist ein hübscher Junge mit einem sehr freundlichen Gesicht.

    Machen Sie sich wegen der Vergleiche nicht verrückt. Wir haben den Vergleich mit normal Geborenen ebenfalls und dazu noch bei den Drillingen drei verschiedene Entwicklungsstände. Während zwei irgendwann durch die Gegend krabbelten, lag Tochter Nummer 2 immer auf dem Rücken, strampelte mit den Beinen. Es war traurig zu sehen, dass die Geschwister schon eine gewisse Form der Mobiltät hatten, während sie einfach nur da lag und sich nicht einmal drehte. Und das Schlimmste war, man hat dem Kind die Frustration angesehen, dass sie mithalten wollte. Kein schöner Anblick und für mich als Vater kein gutes Gefühl. Wirklich nicht.

    Aber irgendwann zog sie gleich und holte die Anderen wieder ein. Sie brauchte ihre Zeit. Alles braucht etwas mehr Zeit. Und ich denke, nein, ich bin überzeugt, dass die frühen Kinder, später ebenfalls ein glückliches und normales Leben führen werden.

    Der dänische Philosoph Kierkegaard sagte einmal: Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.

    Und damit lag er gar nicht mal so verkehrt.

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank für Ihre Worte. Sie haben mich wirklich sehr motiviert und natürlich sind sie vollkommen richtig. Gut, wenn man es manchmal einfach gesagt bekommt… Es ist schwer zwischen anderen Mutti‘s nicht zu vergleichen, schon alleine weil man immer gefragt wird oder andere Erfolge ‚unter die Nase gerieben bekommt‘. Aber wir haben ja auch ganz besondere Kinder, die schon viel mehr geleistet haben, als manch‘ andere im ganzen Leben meistern mussten…
      Sie haben sowieso meinen größten Respekt, ich habe keine Ahnung wie man all’ das ‚hoch 3‘ schafft.
      Das Zitat sollte ich mir als eine Art Mantra zu Herzen nehmen.

      Gefällt 1 Person

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